Hydraulischer Abgleich Teil 4:
Warum sollte man sich die Mühe machen, eine Fußbodenheizung hydraulisch abzugleichen? Der Grund ist simpel: In den Rohren haben wir es – genau wie bei Heizkörpern – mit „Energiedieben“ zu tun. Es sind die kurzen Heizkreise in kleinen Räumen (Gäste-WC, Speisekammer), die sich auf Kosten der großen, wichtigen Räume mit Energie vollaugen.
„Faules“ Wasser wählt immer den Weg des geringsten Widerstands. Kurze Kreise haben naturgemäß weniger Widerstand und „stehlen“ den Durchfluss von den langen Schleifen im Wohn- oder Schlafzimmer. Dabei geht es nicht nur darum, Widerstände auszugleichen – wir wollen die richtige Menge Energie zur richtigen Zeit am richtigen Ort haben.
Spurensuche im Beton: Wenn das Projekt nur Theorie ist
Der Abgleich beginnt mit der Berechnung der Heizlast für jeden Raum. Und hier fangen die Probleme an. Während man einen Heizkörper direkt vor sich sieht, ist das Rohr im Beton vergossen und unsichtbar.
Wer ein verlässliches Projekt (Ausführungsplanung) hat, ist klar im Vorteil. Doch in den meisten Häusern existiert keine Dokumentation. Wir wissen oft nicht:
- Wie lang sind die Rohre wirklich?
- Wie groß ist der Verlegeabstand?
- Wie genau verlaufen die Schleifen?
Man könnte eine Wärmebildkamera benutzen, aber stellen Sie sich das in der Praxis vor: Das Haus im Winter auskühlen lassen, um dann nacheinander jeden Kreis zu starten und stundenlang auf eine Wärmesignatur zu warten? Das ist Sisyphusarbeit. Ich habe das selbst durchgemacht und dabei oft die „kreative Fantasie“ der Installateure bewundern dürfen.
Selbst wenn ein Projekt vorliegt, bleibt das Problem der Wasserqualität. Vor 30 Jahren wurden 90 % der Anlagen mit einfachem Leitungswasser befüllt. Heute finden wir an den Rohrinnenwänden oft einen Mix aus Chemie und Biologie. Wie viel weniger Wärme gibt so ein Rohr ab? Das kann keine Tabelle der Welt vorhersagen.
Die Falle der Rotameter und des dynamischen Abgleichs
Neue Installationen locken mit Einstelltabellen, aber das Schließen der Stellantriebe in einem Kreis beeinflusst immer die übrigen. Eine Lösung sind Verteiler für den dynamischen Abgleich (wie z. B. Heimeier Eclipse), doch deren Kosten sind oft eine Hürde.
In älteren Systemen fehlen hingegen oft sogar die Durchflussmesser (Rotameter). Obwohl diese Erfindung über 100 Jahre alt ist, hat sie sich in der Fußbodenheizung erst in den 90ern richtig durchgesetzt. Erschwerend kommt hinzu, dass es zwei Arten gibt:
- Vorlauf-Rotameter (am häufigsten).
- Rücklauf-Rotameter.
Werden diese vertauscht, sind „spannende“ Stunden bei der Fehlersuche garantiert, wenn die Anlage hartnäckig den Dienst versagt.
Was kann man tun?
In hoffnungslosen Situationen, in denen Apps nur Schätzwerte liefern, lohnt es sich, nach intelligenten Lösungen zu suchen. Ein Beispiel ist das Modul EMILIA2026. Es gleicht nicht nur die Kreise ab, sondern glättet auch die Temperaturhysterese und erkennt Fehler in der Heizkurve.
Damit sind wir am Ende unseres Leitfadens angelangt. Im letzten Teil widmen wir uns dem Albtraum jedes Installateurs: dem Einrohrsystem. Lässt sich dieses überhaupt abgleichen? Außerdem erzähle ich Ihnen von der „wundersamen Wandlung“ eines Typ-33-Heizkörpers in ein Modell ohne Lamellen – und warum das passiert… dazu bald mehr.
