Hydraulischer Abgleich Teil 2:
Wie man das faule Wasser austrickst
Da wir bereits wissen, dass das Wasser in der Installation ein Faulpelz jest, der immer den kürzesten Weg wählt, ist es an der Zeit zu lernen, wie man es überlistet. Die Intuition sagt uns: Wir müssen die Widerstände ausgleichen. Dort, wo es für das Wasser zu einfach ist – erschweren wir es. Dort, wo es bisher nicht ankam – laden wir es durch weit geöffnete Türen ein.
Magische Zahlen unter dem Thermostatkopf
Viele „Internet-Erfinder“ haben entdeckt, dass sich unter dem Thermostatkopf ein Ring mit Zahlen verbirgt. Einfach die Kombizange schnappen, auf den höchsten Wert drehen und… Erfolg! Der Heizkörper brennt an der Hand bis ganz nach unten. Kamera an, YouTube, Ruhm.
Leider ist das, was wir in diesen Videos sehen, oft keine Regulierung, sondern eine Deregulierung. Ja, der Heizkörper ist heiß, aber dein Geldbeutel und der Planet werden bei der Abrechnung weinen. Ein erhöhter Energieverbrauch (Gas, Pellets oder Strom) bedeutet höhere CO2-Emissionen im Namen von… eigentlich gar nichts. Heizkörper sind nicht dazu da, um zu brennen. Sie sollen eine bestimmte Menge Energie in einer bestimmten Zeit liefern.
Die Methode „Pi mal Daumen“ – oder: Der Architekt als Planer
Noch vor kurzem herrschte die Methode „Fensternische“. Man ging davon aus: Wenn das Fenster 2 Meter breit ist und der Installateur einen 1,8 m langen Heizkörper darunter gehängt hat, wird er das schon genau berechnet haben. Spoiler: Hat er nicht. Der Heizkörper passte einfach in die Nische. Ich sage manchmal scherzhaft, dass in vielen Häusern der Architekt die Heizung entworfen hat – mit Fokus auf Symmetrie, nicht auf Physik. Heute ist ein solches Vorgehen nicht mehr zulässig.
Wie macht man es professionell? (Verfahren B)
Um die richtigen Durchflussmengen zu berechnen, raten wir nicht. Der Prozess sieht so aus:
- Heizlast-Audit: Wir prüfen das Baujahr und den Standard der Wände (vom „Wilden Westen“ vor 1982 bis zu den heutigen strengen Normen).
- Rauminventur: Wir messen Wände, Fenster und prüfen, was sich über und unter dem Raum befindet.
- Heizkörper-Analyse: Wir notieren Maße und Montageart (ein Heizkörper in einer tiefen Nische gibt weniger Wärme ab!).
- Das Herz des Systems: Wir prüfen die Pumpe und die Wärmequelle. In den Wänden versteckte Rohre ignorieren wir – ihr Einfluss auf den Rechenfehler liegt bei nur etwa 2 %. Es lohnt sich nicht, dafür die Wände aufzustemmen.
Was bringt uns die Software?
Die Daten landen im Computer, der die Voreinstellungen berechnet. Aber das ist erst der Anfang der „Magie“. Dank der Optimierung können wir:
- Schwachstellen identifizieren: Das Programm zeigt, welcher Heizkörper bei niedrigen Temperaturen „schlapp macht“ (wichtig bei Wärmepumpen und Förderungen).
- Vorlauftemperatur senken: Jedes Grad weniger spart 2–2,5 % bei der Rechnung.
- Die Installation beruhigen: Wir optimieren den Pumpenbetrieb. Weniger Leistung bedeutet weniger Stromverbrauch und himmlische Ruhe in den Rohren.
Wir haben die Tabelle, wir haben die Einstellungen. Wir fahren zum Kunden. Ist das das Ende? Es wird besser sein als vorher, aber… kann es perfekt sein? Dazu mehr im nächsten Teil.
