Was ist eigentlich der hydraulische Abgleich?

Hydraulischer Abgleich Teil 1:

Stark steigende Energiepreise, EU-CO2-Abgaben und ein immer unberechenbareres Wetter zwingen uns dazu, überall nach Einsparungen zu suchen. Wir dämmen Wände, tauschen Fenster aus und isolieren Dachböden. Wir investieren in moderne Kessel oder Wärmepumpen in dem Glauben, dass dies das Ende der Fahnenstange ist.

Das stimmt aber nicht.

Enorme Einsparungen schlummern in dem, was Sie bereits haben – in Ihrer Heizungsanlage. Ohne teure Renovierungen oder das Aufstemmen von Wänden. Einige EU-Regierungen (z. B. in Deutschland) haben dieses Potenzial längst erkannt und Förderungen, aber auch Pflichten zur Systemregulierung eingeführt. Auch wenn die Umsetzung manchmal seltsam wirkt – wie die Pflicht zum Abgleich für Gebäude mit mindestens 6 Wohnungen. Verschwenden Häuser mit fünf Wohnungen Energie etwa anders?

Lassen wir die Politik beiseite. Konzentrieren wir uns auf die Physik.

Was ist eigentlich der hydraulische Abgleich?

Ich lebe in Deutschland und werde die hiesigen Definitionen verwenden, aber keine Sorge – die Physik wechselt an der Grenze nicht ihren Pass. Einfach ausgedrückt: Es ist die Einstellung der Anlage, damit in jedem Raum genau die Menge an Energie ankommt, die dort benötigt wird – und zwar genau dann, wenn sie gebraucht wird.

Klingt logisch? Warum sind dann ca. 70 % der Anlagen in Deutschland und über 80 % in Polen nicht abgeglichen?

Wasser ist faul

Die meisten von uns reagieren erst, wenn es im Zimmer „eiskalt“ ist. Dann kommt der Installateur, baut eine stärkere Pumpe ein und… Problem gelöst, oder? Eben nicht.

Stellen wir uns die Heizungsanlage vor. Heißes Wasser fließt durch Rohre zu den Heizkörpern. Dieser Weg ist ein Labyrinth: Kurven, T-Stücke, Steigleitungen. Wasser ist, wie alles in der Natur, faul. Warum sollte es bis ans Ende des Flurs laufen, wenn es in den ersten Heizkörper „abbiegen“ und fröhlich zum Kessel zurückkehren kann?

Jemand wird sagen: „Aber bei mir sind der zweite und dritte Heizkörper auch warm!“ Stimmt, denn Wasser ist nicht nur faul, sondern mag auch kein Gedränge. Es wählt das geringere Übel – ein Teil fließt weiter, aber langsamer und widerwillig. Bevor es die letzten Räume erreicht, verliert es den „Eifer“, Energie abzugeben. Es rollt durch den Heizkörper, erwärmt kaum dessen Oberseite und kehrt müde in den Heizraum zurück.

Die Falle des „komplett heißen Heizkörpers“

Hier betreten die „YouTube-Ingenieure“ die Bühne mit dem Schrei: „Hurra! Meine Heizkörper sind endlich überall heiß!“

Da kocht mir das Blut in den Adern. Ist das ein Hobby? Die Aufgabe eines Heizkörpers ist es nicht, heiß zu sein. Seine Aufgabe ist es, die RICHTIGE Menge an Wärme in den Raum zu bringen. Ob er zur Hälfte oder ganz warm jest, ergibt sich aus präzisen Berechnungen und nicht daraus, was uns „beim Anfassen“ richtig erscheint.

Im nächsten Teil erzähle ich, wie Installateure (oft fälschlicherweise) versuchen, den Abgleich in den Griff zu bekommen und welche Methoden es zur Bestimmung der Einstellwerte gibt.

Fortsetzung folgt.

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